Der Auftritt in der Jugendstrafanstalt

Unsere Big Band hinter Gittern?

Am Sonntag den 14. September waren wir als Big Band des Canisius Kollegs in der Jugendstrafanstalt Berlin. Dort haben wir mit den männlichen Sträflingen zuerst einen Gottesdienst gefeiert und hatten dann ein Konzert, der eher extravaganten Art, mit ihnen als Zuschauer. Schlussendlich gab es noch Zeit uns bei einer Tasse Kaffee und Plätzchen zu unterhalten über alles, was uns über ihr Leben und auch umgekehrt interessierte. Später endete die etwas speziellere Begegnung mit einer netten Verabschiedung vom heimischen Pfarrer und wir machten uns wieder auf den Weg zur Schule. Dort stellten wir die altgewohnte Ordnung wieder her und hatten ein paar abschließende Gespräche.

Wir trafen uns am Sonntagmorgen an der Jugendstrafanstalt in Moabit. Der Weg für sich war schon komisch. Sonntags sind die öffentlichen Verkehrsmittel und Straßen wie leergefegt – das auch noch morgens. Gegenüber der Jugendstrafanstalt waren auch andere wahrscheinlich ähnliche Einrichtungen, die durch die massiven grauen Wände und Sichttürme das langsam aufkommende Gefühl von Unwohl und Eintönigkeit verstärkten. An der Anstalt angekommen mussten wir erstmal viele strenge Kontrollen passieren, wie zum Beispiel die Tatsache, dass wir unsere Telefone nicht mit hineinnehmen durften und uns ausweisen mussten, damit wir das eigentliche Gebäude überhaupt betreten konnten. Als wir unsere Instrumente und Equipment durch einen kleinen Teil des Innenhofes in den Saal brachten, in dem wir später aufführen würden, hatten wir leider nicht viele Möglichkeiten die verschiedenen Häuser und Aufenthaltsorte zu betrachten.

 

 

 

Außerdem war es erstaunlich leise, weder Wärter noch Jugendliche waren zu hören. In der Kapelle/ im Konzertsaal angekommen packten wir alle unsere Instrumente aus und bauten die benötigte Technik wie Boxen und Verteiler auf. Da dies mein erster Gig war, hat es mich stark überrascht wie schnell und reibungslos das Aufbauen ging. Jeder wusste wie was funktionierte und half immer mit. Dann kam der Pfarrer und gab uns noch letzte Infos zum Ablauf.

Wir begannen uns einzuspielen. Unabhängig davon, dass noch keiner da war, spürte ich den ersten Hauch von Nervosität. Doch die Band konnte im Großen und Ganzen die Lieder perfekt spielen, weshalb sich die Probleme von selbst auflösten. Nachdem wir fertig waren, kamen auch zeitnah die Heäftlinge in den Raum und setzten sich auf die für sich sie vorbereiteten Stühle mit Blick Richtung Pult. Es kamen 39 Häftlinge. Sie waren zwischen 14 und 21 Jahre alt und aus vielen verschiedenen Ländern. Der erste Eindruck war überraschend und erleichternd zugleich: Einerseits sahen sie nicht so aus wie ich sie mir vorgestellt habe. Sie hatten keine besonderen Merkmale außer die einheitliche Kleidung. Andererseits gab es diese komischen Gedanken im Kopf, wenn man sich vorstellt, dass man nur wenige Meter von Jugendlichen sitzt, die teilweise schon öfters im Gefängnis waren und vielleicht auch für manche Tode verantwortlich sind. Kurzgesagt war die Stimmung beidseitig angespannt. Vielleicht, weil sie nicht genau wussten was sie nun tun sollten oder wie sie sich verhalten sollten. Noch erwähnenswert ist es, dass es alles Jungs waren, was wahrscheinlich irritierend gewesen sein musste unsere Sängerin zu sehen, da sie wahrscheinlich schon längere Zeit kein Mädchen in ihrem Alter gesehen hatten. Nichtsdestotrotz begannen wir zusammen den einstündigen Gottesdienst. Während des  Gottesdienstes wurde gesungen und vorgelesen, und dies sogar in verschiedenen Sprachen.

Dann begannen wir mit unserer Aufführung. Die Songs waren sehr abwechslungsreich und gingen von Filmmusik „Skyfall“ bis hin zu älteren Klassikern, wie z.B. „I feel good“ und waren generell aufmunternd. Songs wie „September“, „Rehab“, „Valerie“, „Welcome to the jungle“ und „Respect“ trugen stark dazu bei, dass sich die Häftlinge offener verhielten und klatschten und pfiffen, aber auch, dass sich die Atmosphäre lockerte. Unser Leiter Herr Bitterling kündigte die Lieder an und erzählte kurz um die Geschichte, wodurch sich lustige Situationen ergaben. Man konnte sich die Gefangenen in diesem Moment wie eine etwas ältere Klasse vorstellen und den Leiter als Klassenlehrer, der ihnen etwas präsentierte, während sie Witze rissen. Im Großen und Ganzen war der Auftritt ein voller Erfolg. Für uns, weil Konzerte immer die Gruppendynamiken stärken und weil wir einen spezielleren Einblick in das Leben von Menschen hinter Gittern erleben durften und für sie, weil sie auf mehreren Ebenen unterhalten wurden und mal aus ihrem Alltag raus kamen.  Anschließend hatten wir 20 Minuten Zeit uns zu unterhalten und konnten dabei viel erfahren. Es war sehr spannend, mit Häftlingen zu sprechen und ihre Geschichten zu hören. Dadurch haben wir gesehen, dass sie auch nur normale Menschen sind wie alle anderen und viele es bereuen, dass sie auf die falsche Bahn gekommen sind und sich ändern wollen. Natürlich gab es manche, die keine Lust hatten sich zu unterhalten, aber der Großteil war sehr gesprächig und wollte auch viel über uns erfahren. Sie haben uns viel über den Ablauf und den Aufbau des Gefängnisses erzählt, wie es sich anfühlt, wie die Zimmer sind und was es für Möglichkeiten gibt, wenn man solche Einträge auf dem Kerbholz hat.

Am Ende hatten wir noch ein kurzes Gespräch mit dem Pfarrer, der uns auch besonders offen über seine Eindrücke und Erlebnisse erzählte, aber auch viel zu den Regelungen und Gesetzen gesagt hat. Dann haben wir auch schon angefangen unsere Instrumente wieder aufzuräumen und das alles wieder Richtung Ausgang zu tragen. Währenddessen haben wir uns auch über unsere Erfahrungen ausgetauscht und das eine oder andere lustige und interessante Gespräch gehabt. Als wir fertig mit dem Einräumen der Sachen in den Van waren, verabschiedeten wir uns voneinander und jeder gingen glücklich und mit dem Wissen eine gute Tat vollbracht zu haben nach Hause.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin diese Erfahrung erlebt haben zu dürfen, da es mir sowohl viel Spaß gemacht hat und es die Beziehung der Band gestärkt hat. Weiterführend würde ich es jedem weiterempfehlen so etwas zu machen.

Abel Sadoyan

 

   

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