Eine App, die bei Mobbing helfen kann

Abiturienten im Canisius-Kolleg entwickeln eine App - und bekommt dafür große Resonanz

Viele Kinder und Jugendliche machen in der Schule oder in der Freizeit die Erfahrung, ausgegrenzt, gehänselt oder drangsaliert zu werden. Häufen sich solche Erfahrungen oder zielen die Handlungen anderer genau darauf ab, den anderen zu demütigen oder auszugrenzen, spricht man von „Mobbing“. Um solchen Erfahrungen vorzubeugen, ist es unerlässlich, über Mobbing offen zu sprechen. Am Canisius-Kolleg, dem Gymnasium der Jesuiten in Berlin, gibt es seit einigen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit Contigo, einem Berliner Verein, der LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern in der Prävention von Mobbing unterstützt und schult. Regelmäßig findet ein sogenannter „Contigo-Tag“statt, an dem sich alle SchülerInnen in verschiedenen Projekten mit dem Thema Mobbing auseinandersetzen. Der nächste Contigo-Tag findet am 6. März statt.

Mehr als eine App

Auch Julius de Gruyter, Kai Lanz und Jan Wilhelm, Abiturienten am Canisius-Kolleg, werden bei diesem Contigo-Tag mitmachen. Sie beschäftigen sich seit einiger Zeit auf eine bemerkenswerte und innovative Weise mit dem Thema Mobbing und der Frage, wie Betroffenen geholfen und die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht werden kann.

Apps auf mobilen Endgeräten erleichtern unser Leben auf vielfache Weise. Sie vereinfachen nicht zuletzt Kommunikation. Das dachten sich auch Julius, Kai und Jan, als sie im Rahmen von „Business@school“ über ein innovatives Projekt nachdachten, das sie gerne bearbeiten wollten. Die drei Schüler haben in ihrer Schullaufbahn oder in ihrem Bekanntenkreis Situationen erlebt, in denen andere Jugendliche „gemobbt“ wurden. Ihnen fiel auf, dass die Hemmschwelle für die Betroffenen von Mobbing sehr hoch ist, Eltern oder LehrerInnen von ihrem Leid zu erzählen.

„exclamo“ hilft bei Mobbing

Um das zu ändern und auch um Aufmerksamkeit auf das Thema Mobbing zu lenken, haben die drei Abiturienten die App bzw. Webseite „exclamo“ entwickelt. Betroffene Schüler können dabei, so die Abiturienten, ausgewählten LehrerInnen, SchulpsychologInnen, SeelsorgerInnen oder SozialarbeiterInnen wie in einer normalen Messenger-App (z.B. WhatsApp) eine Nachricht schreiben. Um die Hemmschwelle so weit wie möglich zu senken, kann die Person die Nachrichten auch anonym verfassen, aber den Namen während des Gespräches jederzeit aufdecken. „Das könnte für manche Betroffene eine enorme Hilfe sein, sich einem Erwachsenen mit ihrem Leid anzuvertrauen“, so die drei Schüler. Natürlich können auch MitschülerInnen, die Entsprechendes beobachten, die App nutzen, um auf ein mögliches Mobbing hinzuweisen.

NutzerInnen der App haben zudem noch weitere Optionen: Ein persönliches „Schultagebuch“, das Betroffenen zur Dokumentation und Reflexion hilft, ist Teil von ,,exclamo“, genauso wie ein Mobbing-Selbsttest. Lehrern und Schülern stehen außerdem Materialien und Anleitungen zum Umgang mit Mobbing zur Verfügung. Sie wurden in Zusammenarbeit mit PsychologInnen, SeelsorgerInnen und Mobbing-ExpertInnen erstellt. Nicht zuletzt können SchülerInnen telefonische Hilfe in Anspruch nehmen. Partner für dieses Angebot soll die ,,Nummer-gegen-Kummer“ sein, die deutschlandweit erreichbar ist.

Zu all dem kommt die präventive Wirkung von „exclamo“, die für Julius, Kai und Jan besonders wichtig ist: „Wenn es eine so einfache Möglichkeit gibt, Mobbing zu melden, wird die Hemmschwelle für Täter hoffentlich deutlich höher.“ „Das Format der App wählten wir, da das Smartphone der Alltagsgegenstand schlechthin für Schüler ist und die Nutzung sehr gewohnt ist“ sagen die drei Abiturienten über ihr Projekt, das kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Nähere Informationen zur App gibt es hier:

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