Entweder die Katze geht oder ich gehe – Impulse zur Fastenzeit

„Man kann nicht beiden Herren dienen, Gott und dem Mammon“, haben wir heute im Schulgottesdienstes gehört. Das ist natürlich ein schräger Satz. Es ist ein Satz wie, „entweder die Katze geht oder ich gehe!“ Es ist ein schräger Satz, der auf eine gestörte Beziehung verweist. Sie entsteht dort, wo das „Haben“ sich in den Vordergrund schiebt.

Der Pädagoge Hartmut von Rosa beschreibt, warum es zu kurz greift, Wissen oder Kompetenzen zu „erwerben“. Da lerne ich Texte verfassen, aber die Welt ändert sich nicht, ich ändere mich nicht, meine Beziehung zum Leben, zu den Menschen, zu Gott und der Welt ändert sich nicht. Wie anders sind Lernsituationen, in denen plötzlich ein Knistern zwischen den Lernenden und den Lehrenden entsteht. Ich lerne nicht nur Texte verfassen oder lesen. Ich verstehe, dass es einen Unterschied macht, wenn ich die „richtigen“ Namen für Dinge finde. Die Welt beginnt zu sprechen. Und ich beginne mich zu ändern, werde Leser oder Autorin. Hartmut von Rosa nennt es „Anverwandlung“.

Heute bekamen wir ein Aschenkreuz auf die Stirn. Das bedeutet: „Mensch, alles, was Du zu besitzen oder zu haben meinst, ist Asche, ist für den Eimer!“ Vor dem Hintergrund des Gesagten wird deutlich, dass es gerade nicht darum geht, uns klein zu machen und unser Leben madig zu machen. Sondern es geht darum, staunend selbst da, wo wir klein und verletzlich sind, zu erleben, dass die Welt mit mir spricht, einen Zauber hat. Und vielleicht spüre ich dann sogar noch, dass Gott durch diesen Resonanzraum der Welt hindurch zu mir sagt: Es ist gut. Wie könnte ich Dich vergessen?

Für mich bedeutet die Fastenzeit deshalb gerade nicht, Essen oder Süßigkeiten wegzulassen, um Gesundheit zu „gewinnen“ oder einen schönen, gesunden Körper. Es geht um eine neue Perspektive auf das Leben und auf mich, darum, liebevoller mit mir selbst, meiner Umwelt und den Menschen umzugehen. Was hilft mir zu dieser Haltung zu kommen? Dies könnte die Frage sein, mit der ich heute, am Aschermittwoch, in die Fastenzeit gehe.