„Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge“

Auftakt der „Puncta Jesuitica“ aus dem Canisius-Kolleg

23. März 2020

„Puncta“ haben in der jesuitischen Tradition die Bedeutung, dass während Exerzitien (geistlichen Übungen) der oder die Exerzitienbegleiter*in dem oder der Begleiteten individuell Anregungen in Form von Punkten (Erstens, zweitens etc.) mitgibt, worüber er oder sie während des Tages meditieren kann, z.B. mit Blick auf einen biblischen Text oder ein Bild. Mit diesem Text beginnen wir Jesuiten am Canisius-Kolleg eine Reihe solcher Punkte, die wir mit der Kollegsgemeinschaft in diesen Tagen teilen wollen. Unser Betrachtungs- oder Meditationsgegenstand sind dabei Fragen, Phänomene, Themen in der aktuellen Corona-Krise. Wir werden unsere „Puncta“ jeweils montags, mittwochs und freitags, zunächst bis zu Beginn der Osterferien hier auf www.canisius.de einstellen.

 

Mitte letzter Woche, als ich mich im gebührenden Abstand mit einem ehemaligen Schüler des Canisius-Kollegs bei einem zufälligen Treffen im Tiergarten unterhielt, lief eine Joggerin im ebenfalls gebührenden Abstand um uns herum und rief uns zu: „Das ist ja wirklich vorbildlich, wie Sie das machen!“ Dass Abstandhalten Ausdruck von Fürsorge sein soll, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache ausdrückte, war für Ignatius von Loyola auch ohne Pandemie eine Selbstverständlichkeit. So heißt es an entsprechender Stelle, man solle die Augen gesenkt halten, wenn man mit jemandem spricht, und auf der Straße nicht ständig nach links und rechts schauen. Wenn Jesuiten sich auf den Zimmern besuchen, dann soll die Tür immer geöffnet bleiben. Berührungen sind zu vermeiden. Dies alles sind einige Elemente der sog. „Regula Tactus“, Regeln für einen taktvollen Umgang miteinander, die für Ignatius und den Jesuitenorden den Sinn hatten, dass der äußere Mensch ein Bild der Beherrschtheit und Demut abgebe und so zur Erbauung der Betrachtenden Anlass gibt. Dem äußeren Verhalten sollte dabei die innere Haltung entsprechen, den anderen in seiner Würde zu achten, ja sogar höher einzuschätzen als sich selbst.

 

In Corona-Zeiten kann die „Regula Tactus“ der notwendigen Einschränkung von sozialen Kontakten eine gewisse inhaltliche Tiefe geben: Distanz und Abstand ermöglichen wechselseitig Freiheit. Ich bleibe bei mir und lasse dem oder der Andere*n seinen oder ihren Raum. Das gelingt in der Familie im Moment natürlich anders als in der Beziehung zu Freund*innen oder Bekannten. Es lohnt sich zu fragen: Wie ermöglicht mir die momentane Situation, Beziehungen auf Abstand zu pflegen oder neu zu beleben? Welchen Abstand brauche ich in meinen engen Beziehungen? Wie kann ich geliebten und weniger geliebten Menschen so begegnen, dass sie sich mir auch anders zeigen können als gewohnt? Und: Wie möchte ich, dass andere mich betrachten? Wie kann das Bild, das ich abgebe, anderen in diesen Zeiten zur Erbauung dienen?

 

Sebastian Maly SJ

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