Schutz?

Zweiter Beitrag der „Puncta Jesuitica“ aus dem Canisius-Kolleg

25. März 2020

Zunächst: Ich, Bruder Michael Hainz SJ, werde vielen Leser*innen noch unbekannt sein. Ich gehöre seit Sommer 2019 zur Jesuitenkommunität am CK. Nach Studien der Philosophie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer. soc.) unterrichtete ich an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und am Ignatianum in Krakau. Derzeit arbeite ich beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst als Seelsorger für Geflüchtete in zwei Brandenburgischen Erstaufnahmeeinrichtungen und im Abschiebegewahrsam Lichtenrade. Außerdem unterrichte ich Religionssoziologie an der Universität Leipzig und begleite kontemplative Pilgerkurse. 

 

Wir können wirksam zu unserem eigenen Schutz und dem anderer beitragen: Abstand halten zu Mitmenschen, Händewaschen, in die Armbeuge niesen, starken Stress vermeiden – all dies kennen und üben hoffentlich alle derzeit ein. „Bleiben Sie zu Hause! Retten Sie Menschenleben“ las ich jüngst auf einem Plakat. Na ja, dachte ich mir, kontemplatives Spazierengehen oder Joggen hilft – im gebotenen Abstand zu anderen – auch, das Immunsystem zu stärken. Panik reduzieren wir zudem, wenn wir uns nur maximal zweimal am Tag den Medien aussetzen und uns auf produktive Tätigkeiten konzentrieren, so die Psychiaterin Elissa Epel.[1]

 

Schutz, ganzheitlich verstanden, besagt mehr als die strikte Einhaltung der notwendigen seuchenhygienischen Regeln. Emotionale Stabilität resultiert aus „sicheren Bindungen[2]: aus Feinfühligkeit, häufigem Blick- und (jetzt: dosiert abgewogenen) Körperkontakt und einem beständigen, nachvollziehbaren Verhalten der Bezugspersonen. Schutz ist, zumal in Krisenzeiten, ein Gemeinwohl-Begriff: Er funktioniert nie bloß für mich allein, sondern wenn Kooperation an oberster Stelle steht, ermöglicht durch Räume des Rückzugs, faire Konfliktaustragung und Humor.

 

Als beschützt und behütet erfährt sich, wer betet. So formuliert es Psalm 91[3]: „Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen. (…) Schild und Schutz ist seine Treue (…). Du brauchst dich (…) nicht zu fürchten vor der Pest, die im Finstern schleicht“. Aber hat Gott die weltweit aktuell 434,854 Infizierten und 19.607 Corona-Toten[4] nicht geschützt? Er hat sie – nach unserem menschlichen Verständnis – nicht geschützt. Er hat auch Jesus, den glühend Liebenden, nicht vor dem Kreuzestod bewahrt. Schutz, biblisch verstanden, meint also nicht die Verhütung  brutaler Verluste, sondern – wie bei Jesus, dem Christus – das bleibende Hineingenommensein in die „Schutzwolke“, den behütenden Schutz- und Lebensraum Gottes. So bezeugt es Psalm 91– und das ist auch meine Lebenserfahrung.

Michael Hainz SJ

 


[1]     Der Tagesspiegel, Nr. 24132, 23.3.2020, S. 22.

[2]    https://bildung.erzbistum-koeln.de/fbs-bergisch-gladbach/.content/.galleries/kursmaterialien-allgemein/Grundlagen_sichere_Bindung.pdf; http://www.bindungstheorie.net/

[3]   https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/einheitsuebersetzung/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/19/910001/919999/?no_cache=1&cHash=5febc5f96f1192d7ffe1cbc50fc7bad8

[4]    https://www.worldometers.info/coronavirus/

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