Zur Osterzeit

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Eltern,
zu den Osterferien sende ich Ihnen herzliche Grüße! Besonders hinweisen möchte ich auf unsere Gottesdienste in der Kar- und Osterzeit, die wir gern zusammen mit Ihnen in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum begehen möchten:

09. April 2017, 10:00 Uhr – Gottesdienst an Palmsonntag
13. April 2017, 19:30 Uhr – Abendmahl mit Händewaschung an Gründonnerstag
14. April 2017, 14:00 Uhr – Gelegenheit zum geistlichen Gespräch und zur Beichte,
15:00 Uhr – Gottesdienst an Karfreitag
16. April 2017, 05:00 Uhr – Osternacht
16. April 2017, 10:00 Uhr – Gottesdienst an Ostersonntag
17. April 2017, 10:00 Uhr – Gottesdienst an Ostermontag

Und mit meinen Gedanken zum Kreuz, das uns Christen immer wieder den Ruf eingebracht hat, Spielverderber zu sein, die Menschen klein zu halten, statt mitzuhelfen, ihre innere Stärke zu befreien und sie dadurch wachsen zu lassen, möchte ich Sie in die Osterferien entlassen.

Als Schule in der Tradition des Jesuitenordens wollen wir, dass die uns anvertrauten jungen Menschen wachsen. Dazu gehört wesentlich, ihnen Lebensfreude und Lebensmut zu vermitteln. Aber was bedeutet das eigentlich? Junge Menschen lernen durch die Wertschätzung Anderer, sich selbst anzunehmen. Durch die verlässliche Zusage ihres Umfeldes, „Du bist nicht allein“, lernen sie dem Leben zu trauen. Das ist eine Grundlage, um dann durch Bestärkung Freude daran zu entwickeln, eigene Talente zu entfalten, durch liebevolle Begrenzung das Bewusstsein eigener Eingebundenheit in eine Gemeinschaft wahrzunehmen und über die offene und faire Auseinandersetzung mit erwachsenen Vorbildern Empathie und Wertschätzung für Andere zu lernen. Stört das Kreuz da nicht tatsächlich? Oder meiden wir die Themen Schuld, Krankheit und Tod bei Kindern wegen unserer eigenen Hilflosigkeit?

Kinder und Jugendliche erleben die Infragestellung ihres Lebens und ihrer Person durch Erfahrungen von Schuld, Leid und Tod im eigenen Umfeld mehr als wir Erwachsene wahrnehmen. Und natürlich gibt es dann noch die Kinder und Jugendlichen, die viel zu früh unmittelbar selbst die Erfahrung von Schmerz, Krankheit, Abschied, Schuld … machen müssen. Wir schulden Kindern und jungen Menschen, die Auseinandersetzung mit den Kreuzen dieser Welt.

Welche Antworten können wir geben? Wir Menschen neigen dazu, nach Begründungen zu suchen. Deshalb kommen wir ganz oft sehr schnell zu Schuldfragen. Aber was ändert das? Walzen wir damit nicht gerade über den Schmerz der Betroffenen hinweg?

Du bist nicht allein! Du bist nicht allein, auch wenn gerade nichts mehr zu sagen und zu erklären ist! Wo wir nicht allein sind, wenn wir die dunklen Stunden bestehen müssen, wächst da nicht manchmal ausgerechnet dort, wo wir die Risse unserer Seelen spüren, das Leben mit neuen Potentialen, mit neuer Sensibilität, neuer Offenheit für Begegnung, neuer Kreativität, mit dem Mut zum Aushalten? In Regina Martyrum legen die Menschen am Karfreitag Blumen auf das Kreuz. Darum geht es! Nicht das Kreuz an sich, ein Marterwerkzeug, feiern und verehren wir.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Canisius Kollegs, das Kreuz gehört in unsere Schule, damit Schüler*innen wissen, dass die Schule ein Ort ist, wo man Erfahrungen des Fragmentarischen ansprechen darf. Am Kolleg sollen junge Menschen Verlässlichkeit in schweren Stunden erleben, „Du bist nicht allein“! Wir wollen jungen Menschen unsere Hoffnung und unseren Glauben vermitteln: Mit Jesus findest Du einen Freund auch da wo es dunkel und einsam ist. In Jesus steht Gott neben Dir, nicht als Welterklärer, sondern erst einmal genauso stumm und voll Trauer über Deinen Schmerz. Und dann höre nicht auf zu hoffen, auch Dein Kreuz wird blühen!

Wir wünschen Ihnen gesegnete Kar-Tage und eine frohe Osterzeit

Ihr Pater Tobias Zimmermann

 

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