Aufklärung der Missbrauchsfälle

AKTUELLES

Di, 16.10.2018, 15:30

Priester weiter vor Kirchengericht – neue Missbrauchsbetroffene

Berlin (KNA) Die Missbrauchsvorwürfe gegen den katholischen Priester Peter R. beschäftigen weiter das Kirchengericht des Erzbistums Berlin. Zusätzlich zu den bekannten Anschuldigungen hätten weitere Betroffene angekündigt, sich äußern zu wollen, sagte Bistumssprecher Stefan Förner der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Berlin. Deshalb sei es noch nicht absehbar, wann das Verfahren abgeschlossen werden könne.

Auch das Bistum Hildesheim, zu dessen Priesterschaft der in Berlin wohnende Angeklagte gehört, will die Aufarbeitung des Falls weiter voranbringen. Zu den nun bekannt gewordenen weiteren Opfern aus Chile wolle das Bistum Kontakt aufnehmen, sobald deren Daten vorlägen, sagte Sprecher Volker Bauerfeld auf Anfrage. „Dann werden wir ihnen, wie allen Betroffenen, Hilfe und Unterstützung anbieten.“

Die Bistumssprecher äußerten sich nach einem ARD-Bericht, der am Montagabend unter dem Titel „Meine Täter, die Priester“ ausgestrahlt wurde. Dafür war der Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, Anfang des Jahres in Chile unterwegs auf den Spuren der Jesuitenpatres Peter R. und Wolfgang S., der beiden Hauptbeschuldigten im Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg. An der Jesuitenschule waren Katsch und zahlreiche andere Schüler in den 1970er und 1980er Jahren missbraucht worden.

Für den Film besuchte Katsch unter anderem ein katholisches Sozialzentrum in Chile, das von Peter R. seit Jahrzehnten finanziell unterstützt wird und wo er auch häufig zu Gast war. Zudem hatten immer wieder Jugendliche von dort Peter R. in Deutschland besucht. Mehrere von ihnen berichten in dem Film von Übergriffen. Weitere Fälle von Missbrauchsverdacht betreffen das Bistum Hildesheim, in dem Peter R. als Pfarrer eingesetzt war.

Der Beschuldigte lebt jetzt als Ruheständler in Berlin. Deshalb beauftragten die zuständigen Stellen im Vatikan das Kirchengericht des Erzbistums mit dem Fall Peter R. Nach Abschluss eines staatlichen Ermittlungsverfahrens verurteilte das Kirchengericht ihn bereits im Januar 2014 im Fall einer missbrauchten Frau im Bistum Hildesheim zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro, die er an den Kirchenfonds für Missbrauchsopfer zahlen musste. Zudem ist ihm die Ausübung priesterlicher Tätigkeiten verboten.

Martin Stark SJ
Socius des Provinzials

Aufklärung der Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren

Jedes Jahr am 21. Januar jährt sich der Tag, an dem Pater Klaus Mertes SJ, Rektor des Canisius-Kollegs von 2000 bis 2011, einen Brief an ehemalige Schüler schrieb, mit dem er die Aufklärungswelle über den Missbrauch von Schülern am Canisius-Kolleg in den 70er und 80er Jahren auslöste. Der Mut einiger Opfer ermöglichte dann die umfassende Aufklärung durch zwei unabhängige Untersuchungen.

Die Untersuchungsberichte von Frau Raue und Frau Fischer finden Sie, soweit Sie das Canisius-Kolleg betreffen, auf dieser Seite. Den kompletten Bericht von Frau Raue finden Sie mit weiteren Informationen auf der Homepage der Deutschen Provinz der Jesuiten:

Bestürzung und Trauer über das, was hier unter dem Dach des Ordens geschehen konnte, und über die Versäumnisse der Ordensleitung werden mich als Jesuiten und den Orden noch lange Zeit bewegen und beschäftigen. Der Orden ist nicht mehr derselbe und darf nicht mehr derselbe sein wie zuvor. Unseren heutigen Schülern erscheinen diese Ereignisse von vor dreißig Jahren sehr weit entfernt. Schulleitung und Kollegium reflektieren ihre Arbeit intensiv und setzen alle Kraft daran, ein Schulklima zu schaffen, das die Schüler in ihrer Persönlichkeit stark werden lässt und in dem die sehr hohen Werte Achtsamkeit und Kritikfähigkeit besondere Förderung erfahren.

Im Rahmen der Aufklärungsarbeit wurde ein Präventionskonzept erstellt, das immer wieder reflektiert wird und bereits mehrfach optimiert wurde. Über die Prävention von sexualisierter Gewalt hinaus geht es uns dabei auch um grundlegende Fragen des sozialen Lernens: das Lernen, eigene Grenzen zu wahren und die anderer zu achten; es geht uns auch darum, dass Schüler möglichst viele offene Türen in der Schule und jenseits der Schule kennen lernen, damit sie stets einen Weg finden, sich Rat und Hilfe zu holen. Deshalb führen wir mit den Schülern Präventionsveranstaltungen auch in Beratungsstellen außerhalb der Schule durch. Schulintern arbeiten wir bereits mit dem neu geschaffenen Präventionskonzept.

Zur Erinnerung loben die Jesuiten am Canisius-Kolleg jedes Jahr den Friedrich-Spee-Preis für ziviles Engagement und Zivilcourage aus.

Pater Tobias Zimmermann SJ, Rektor, Canisius-Kolleg

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